Was für ein Auftakt in die neue Saison: Im vorgezogenen Spiel der 1. Runde der Frauen-Regionalliga Südost setzte sich unsere Frauenmannschaft im Thüringer Duell gegen den neu formierten VfL 1990 Gera mit 3:1 durch. Gegen einen ausgesprochen erfahren besetzten Gegner gelangen dabei drei bemerkenswerte Siege.
Nach dem Rückzug der Zeulenrodaer Frauenmannschaft geht Gera in dieser Saison mit einer neu zusammengestellten Frauenmannschaft an den Start. Ein Neuling im klassischen Sinne ist das Team allerdings keineswegs: Mit Tilda Loos, WFM Diana Skibbe und Antje Fuchs standen an den ersten drei Brettern Spielerinnen, die bereits Erfahrung aus höherklassigem Frauenschach mitbringen.
Meuselwitzer SV – VfL 1990 Gera 3:1
| Brett | Meuselwitz | Ergebnis | VfL Gera |
|---|---|---|---|
| 1 | Sophia Scheiding | 1:0 | Tilda Loos |
| 2 | Gabriela Ignatova | 0:1 | WFM Diana Skibbe |
| 3 | Victoria Sniegowski | 1:0 | Antje Fuchs |
| 4 | Natalie Kohl | 1:0 | Fabienne Huth |
Gera kommt mit reichlich Erfahrung
Schon ein Blick auf die ersten drei Bretter zeigte, welche Aufgabe auf unsere Mannschaft wartete. Tilda Loos spielte noch in der vergangenen Saison für den SC Rochade Zeulenroda in der 2. Frauenbundesliga und gewann 2026 die Thüringer Meisterschaft U18w.
An Brett zwei saß mit WFM Diana Skibbe eine der erfahrensten Thüringer Schachspielerinnen überhaupt. Die zweifache DDR-Jugendmeisterin von 1978 und 1979 spielte über viele Jahre in der Frauen-Bundesliga und 2. Frauenbundesliga. Auch Antje Fuchs kann auf jahrzehntelange Erfahrung im höherklassigen Frauenschach zurückblicken und war bereits in der Frauen-Bundesliga aktiv.
Der 3:1-Erfolg war deshalb alles andere als selbstverständlich.

Sophia dreht den Fünf-Stunden-Marathon
Die längste Partie des Tages entwickelte sich am Spitzenbrett. Sophia traf auf die amtierende Thüringenmeisterin U18w Tilda Loos – und beide lieferten sich einen Kampf über mehr als fünf Stunden.
Dabei verlief die Partie keineswegs geradlinig. Tilda baute mit ihrem weit vorgerückten e-Bauern früh Druck auf und konnte im späteren Mittelspiel sogar materiellen Vorteil erzielen. Im 37. Zug hatte Tilda die Qualität gewonnen. Sophia ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und hielt ihre Figuren ausgesprochen aktiv.
Mit Dame, Springer und Läufer entstanden immer neue Drohungen gegen den weißen König und die unkoordinierten weißen Schwerfiguren. Schließlich kippte die Partie: Beide Spielerinnen mit immer knapper werdender Zeit und schließlich fiel der weiße Turm auf e1 und Sophia hatte den materiellen Rückstand nicht nur wettgemacht, sondern die Kontrolle übernommen. Wenige Züge später musste Tilda aufgeben.
Mehr als fünf Stunden Kampf, zwischenzeitlich die Qualität weniger – und am Ende trotzdem der volle Punkt: ein beeindruckender Sieg am Spitzenbrett.

Gabriela gegen die Routine einer WFM
An Brett zwei bekam es Gabriela mit Diana Skibbe zu tun. Die Partie begann scharf: Gabriela suchte früh aktives Spiel im Zentrum und am Königsflügel und hielt die Stellung lange dynamisch.
Die große Erfahrung ihrer Gegnerin zeigte sich jedoch, als die Damen vom Brett verschwanden. Diana vereinfachte in eine Stellung, in der ihre Türme immer aktiver wurden, gewann den wichtigen Zentralbauern auf e4 und drang schließlich tief in die weiße Stellung ein. Gabriela verteidigte sich lange, musste den Punkt am Ende aber der Geraer WFM überlassen.
Victoria sorgt für die Überraschung des Tages
Das sportliche Ausrufezeichen setzte Victoria an Brett drei. Schon die Ausgangslage war bemerkenswert: Antje Fuchs wird in der aktuellen DSB-Meldeliste mit 1968 DWZ geführt, Victoria mit 1690 – fast 280 Punkte Unterschied.
Davon war auf dem Brett wenig zu sehen. Antje wählte in der Russischen Verteidigung einen kompromisslosen Weg und opferte mit früh einen Bauern, um den schwarzen König gewaltig unter Druck zu setzen. Später verschärfte sie den Angriff mit einem Qualitätsopfer noch einmal und gab weiteres Material für Angriffschancen.
Victoria blieb jedoch erstaunlich abgeklärt. Sie verteidigte ihren König, ohne in Panik zu geraten, und suchte gleichzeitig konsequent Gegenspiel. Besonders ihr weit vorgerückter c-Bauer wurde zunehmend gefährlich: Er marschierte bis nach c2 und zwang Weiß, neben dem eigenen Angriff plötzlich auch massive Drohungen am anderen Ende des Brettes zu beachten.
Als der weiße Angriff schließlich ins Stocken geriet, schlug Victoria zu. Im 32. Zug konnte Victoria zu großem Vorteil abtauschen und Antje gab auf. Ein außergewöhnlich abgeklärter Sieg gegen eine frühere Bundesliga-Spielerin.

Natalie wackelt – aber fällt nicht
Auch Natalie musste für ihren Punkt einiges investieren. Aus der Französischen Verteidigung heraus erspielte sie sich zunächst eine sehr angenehme Stellung und brachte schließlich einen gefährlichen Freibauern auf die d-Linie.
Doch Fabienne Huth bekam noch einmal Gegenspiel – und plötzlich wurde es richtig kompliziert. Immer gegen die Uhr kämpfend musste Natalie sogar die Qualität geben. Was nach einem herben Rückschlag aussah, erwies sich aber nicht als Ende der Partie: Der weiße Freibauer stand inzwischen auf d7, der schwarze König war offen und Natalie hielt den Angriff am Leben.
Das zahlte sich aus. Mit dem finalen Zug der Zeitkontrolle war der schwarze König matt. Gerade nach dem zwischenzeitlichen Rückschlag zeigte Natalie damit enorme Nervenstärke – und sicherte den dritten Meuselwitzer Sieg.

Drei Punkte – drei unterschiedliche Geschichten
Sophia: Mehr als fünf Stunden gekämpft und eine schwierige Partie noch gedreht.
Victoria: Einen heftigen Königsangriff abgewehrt und gegen eine nominell deutlich stärkere Gegnerin eiskalt zurückgeschlagen.
Natalie: Nach verlorenem Vorteil und einem Rückschlag die Nerven behalten und die Partie mit einem Matt beendet.
Zwei wichtige Punkte zum Saisonstart
Mit dem 3:1 stehen die ersten beiden Mannschaftspunkte auf dem Konto. Noch wichtiger als die Tabelle dürfte aber die Art und Weise des Erfolges sein: An drei Brettern mussten unsere Spielerinnen schwierige Phasen überstehen, bevor sie ihre Partien für sich entscheiden konnten.
Gerade gegen eine Geraer Mannschaft mit dieser Erfahrung ist das ein Saisonstart, der Selbstvertrauen geben darf. Gleichzeitig bleibt die Frauen-Regionalliga Südost eine kurze und anspruchsvolle Staffel, in der jeder Mannschaftskampf Gewicht hat.
Schon am 3. Oktober geht es weiter
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Das eigentlich für die 4. Runde angesetzte Auswärtsspiel beim SC 1957 Bad Königshofen III wird ebenfalls vorgezogen: Bereits am Samstag, 3. Oktober 2026, um 14:00 Uhr wartet die nächste Aufgabe.